Kulturelle Beziehungen werden ausgebaut

Die Zusammenarbeit mit der Bundesrepublik Deutschland entwickelt sich nicht nur im wirtschaftlichen Bereich, sondern auch auf dem Feld der Kultur. Das dokumentiert das Gespräch, das unserem Korespondenten Bohuš Zvrškovec der bayerische Staatsminister für Bildung, Kultur und Wissenschaft Hans Zehetmair.

Herr Staatsminister, Sie sind auch der Stellvertreter des Ministerpräsidenten und wissen wie intensiv die Slowakische Republik kulturelle un wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Bundesrepublik Deutschland sucht. Besonders der Freistaat Bayern spielt hier eine wichtige rolle. Wie würden Sie aus Ihrer Sicht die Zusammenarbeit mit der Slowakei gewichten?

Die Beziehungen zwischen Bayern und der Slowakei lassen sich über einen Zeitraum von rund 1000 Jahren zurückverfolgen. Auch unter den schwierigen Bedingungen des einsernen Vorhangs wurden die Kontakte in vielfacher Form fortgesetzt. Nach der historischen Wende konnten die Beziehungen auf nahezu allen Gebieten weiter intensiviert werden. Vor einigen Jahren wurde zwischen der Slowakischen Republik und dem Freistaat Bayern ein Programm der Zusammenarbeit in den Bereichen der Wirtschaft, Landwirtschaft, Wissenschaft, Technik, Umwelt und Naturschutz, Kultur, Bildungswesen, Justiz, sowie Arbeit und Sozialordnung geschlossen. Für die fachliche Zusammenarbeit mit der Slowakei hat die Bayerische Staatsregierung unter Federführung der Bayerischen Staatskanzlei eine eigene Kommission geschaffen. Ihre Arbeitsweise ist vergleichbar mit entsprechenden Kommissionen, die beispielsweise mit Tschechien, Polen und Ungarn eingerichtet wurden. Quantitativ und qualitativ wird die Zusammenarbeit mit den genannten Partnerländern in etwa gleich gewichtet. Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass diese Zusammenarbeit des Freistaates Bayern mit der Slowakei sowie anderen osteuropäischen Ländern für die gemeinsame weitere Entwicklung in Europa nur nützlich sein kann.

Welche Aktivitäten würden Sie hier hervorheben?

Als Kultusminister denke ich natürlich vor allem an die Aktivitäten im Bereich meines Ressorts. Im Kulturbereich und im Bereich des Schul- und Bildungswesens haben sowohl zwischen den zuständigen Ministerien als zwischen den nachgeordneten Stellen zahlreiche Kontakte stattgefunden und verschiedene konkrete Ergebnisse für die Schulen, Hochschulen und die Kulturförderung konnten bereits erreicht werden. Im Bereich der Schulen wären hier Lehrerentsendungen, Hospitationen, Lehrerfortbildungen, Sprachkurse, Expertenaustausch und Schulpartnerschaften zu nennen. Die Hochschulen profitieren vor allem von Stipendien, Partnerschaften und ganz allgemein vom Informationsaustausch. Kulturelle Kontakte zwischen Bayern und der Slowakei gibt es bei der Zusammenarbeit von Bibliotheken und Museen, in der Denkmalpflege sowie in der bildenden Kunst. Bereits 1991 gab es erste Kontakte zwischen den Staatlichen Museen in Bratislava und dem Bayerischen Nationalmuseum, die den Austausch von Ausstellungen und gemeinsame Projekte zum Gegenstand hatten.

Im vergangenen Herbst fanden in Regensburg Tage der slowakischen Kultur in Bayern. Wie bewerten Sie diese Veranstaltung, wird sie wiederholt?

Grundsätzlich freue ich mich über alle Beiträge zum kulturellen Austausch zwischen Bayern und osteuropäischen Ländern wie der Slowakei. Der Freistaat Bayern setzt dabei vor allem auf bilaterale Einzelprojekte. So gab es beispielsweise im Januar dieses Jahres eine Ausstellung bayerischer Künstler in der Nationalgalerie in Bratislava. Im Gegenzug sollen slowakische Künstler mit ihrer Ausstellung in München einen Überblick über das künstlerische Schaffen in der Slowakei vermitteln. Ziel dieses Ausstellungsaustausches ist letztlich die Vertiefung der kulturellen und menschlichen Beziehungen zwischen unseren Ländern. Die Veranstaltung einer slowakischen Kulturwoche in Bayern ist derzeit nicht geplant.

Mehr als 40 Jahre Kommunismus haben tiefe Spuren in der Seele der Menschen in der Slowakei hinterlassen. Was muß man hier tun, um die geistige Nähe zum Abendland wieder zu stärken.

Mit dem Abendland sind Werte wie Demokratie, Freiheit und Selbstbestimmung des Menschen untrennbar verbunden. Diese Werte gilt es zu stärken, um die Vergangenheit zu überwinden. Die Schule kann dabei einen wichtigen Beitrag leisten. Bayern ist bereit, das slowakische Schulwesen durch Hilfe bei der Erstellung von Lehrplänen, durch Angebote in der Lehrerfortbildung und die Entsendung von bayerischen Lehrkräften als Multiplikatoren in diesem Anliegen zu unterstützen.

Es scheint, daß die Slowakei ein ziemlich unbekanntes und dadurch auch schlecht verstandenes Land mitten in Europa ist. Zumindest, wenn man den Medien Glauben schenken darf. Sehen Sie das auch so?

Für Bayern gilt diese Einschränkung wohl nicht. Wenn sich die Slowakei international eher schlecht verstanden fühlt, liegt es möglicherweise an der Öffentlichkeitsarbeit der Slowakei.

Wie sehen Sie die Zukunft der bayerisch-slowakischen Beziehungen?

Die Zusammenarbeit wird im Rahmen der Kommission Bayern-Slowakei fortgesetzt werden. Ich gehe davon aus, dass unsere Beziehungen in allen Bereichen durchaus noch ausbaufähig sind.

Slovak Trade FORUM