Makroökonomische Grundproportionen der Entwicklung der slowakischen Wirtschaft im Jahre 1998 aus der Sicht der Unternehmen

Pavol KÁrász und Juraj Renèko, die Authoren des vorliegenden Artikels, sind bekannte slowakische Volkswirtschaftler, renomierte Wirtschaftsexperten und Prognostiker. Der Artikel wird sicher auch ausländische Unternehmer, die nach Investitions-Möglichkeiten in der Slowakei suchen, interessieren.

Das Wirtschaftswachstum im Jahre 1996 wurde unter den Bedingungen eines hohen Außenhandelsbilanz-Defizits und der Senkung des effektiven Funktionierens sowohl der realen als auch der finanziellen Prozesse erreicht. In beträchtlichem Maße wurde er durch kurzzeitige Auslandskredite finanziert. Dadurch entstand eine Situation, die eine akute Bedrohung vorallem der makroökonomischen Stabilität darstellte. Deshalb war eine der wichtigsten Aufgaben der staatlichen Wirtschaftspolitik für das Jahr 1997 die Senkung des Außenhandelsdefizits und das Verhindern der weiteren Verschlechterung der Real- und Finanz-Wirtschaft.

Die Wirtschaftsentwicklung 1997 wurde durch die Nachfrage-Struktur des Vorjahres gestartet, wo der Anteil der Inlands-Nachfrage zu groß war und die Auslands-Nachfrage zu gering. Im Jahresverlauf, in Folge der vorsichtigen Währungspolitik der Nationalbank der Slowakei (NBS) und der administrativen Schritte der Regierung zur Importregelung wurde die Dynamik der Inlands-Nachfrage gebremst und ihr Anteil an der Nachfrage verringert. Der Rückgang der Dynamik des Wachstums des Brutto-Inlandsproduktes (BIP)bedeutet nicht nur die Senkung der Einfuhr-Aufwendigkeit und die Einstellung des Wachstums der Zwischenverbrauchs-Ansprüche, sondern auch die Senkung der Kredit-Ressourcen die auf eine BIP-Einheit geschöpft wurden. Andererseits hat die Regierung durch ihre expansive budgetäre Politik die Unternehmen und Haushälte vom Geldmarkt verdrägt, dadurch ist der Preis des Geldes gewachsen und die Auslandsverschuldung gestiegen.

Der Ausfall bei den Steuereinnahmen von juristischen Personen erhöhte den Druck des Staatshaushaltes auf den ungenügend likviden Geldmarkt im Verlaufe des Jahres zunehmend. Der Versuch den Ausfall bei Steuereinnahmen von den juristischen Personen zu korrigieren, führte zu mehreren Maßnahmen im Bereich der indirekten Steuern, die Einfluß auch die Inflation hatten. Der mehrere Jahre dauernde Rückgang der Inflationsrate wurde 1997 aufgehalten und durch einen Anstieg ersetzt. Trotz dieses Anstieges war die erreichte Inflationsrate geringer als in den benachbarten sich transformierenden Wirtschaften.

Im Jahre 1997 wurde auch der Investitionsboom aus dem Vorjahr fortgesetzt. Die erreichte hohe Investitionsrate ist jedoch nicht genügend durch Inlands-Ersparnisse gedeckt. Ihre Allokation gibt keine Garantien, daß diese Investitionen grundsätzlich zum Wachstum der Exportfähigkeit in der Zukunft beitragen werden.

Trotz des oben angeführten, für das größte Positivum des Jahres 1997 kann die verbesserte Anpassung der Dynamik der Wirtschaftswachstums an die eingeschränkte Wirtschaft, gehalten werden. Die Folge war die Milderung der unausgewogenen Tendenzen, vor allem der äußeren Unausgewogenheit, und die Erhaltung der Währungsstabilität. Es muß jedoch bekräftigt werden, diese Milderung ist nicht durch erhöhte Exportfähigkeit der Wirtschaft belegt, sondern durch restriktive Währungspolitik und administrative Maßnahmen der Regierung. Die Tendenz der Unausgewogenheit, und somit der latente Druck auf die Währungsstabilität dauert in der slowakischen Wirtschaft weiter an.

Die Wirtschaftsprobleme der Slowakei äußern sich in ihrer ungenügenden Exportleistungfähigkeit, die sich in den hohen Defiziten des Saldos der Zahlungsbilanz widerspiegeln. Begleitet werden diese durch eine budgetäre Politik der Regierung. Die Folge ist die immer größer werdende Inlands- und Auslands-Verschuldung. Wenn das Problem der Exportleistungsfähigkeit in der mikroökonomischen Anpassung der Unternehmen liegt (und im beträchlichem Maße mit dem Prozess der System-Transformierung zusammenhängt), dann ist das Problem der wachsenden Verschuldung das Problem der Wirtschaftspolitik, der Konzept-Arbeit des Zentrums und der Auffassung der Rolle des Staates in der Wirtschaft.

Bei der Lösung des Problems der Exportleistungsfähigkeit kann man im Verlauf der Zeit die Wirkung der Export-Förderungs-Maßnahmen der Regierung erwarten. Angesichts der jetzigen Struktur des Exportsektors kann es aber nur eine Rand-Bedeutung haben. Der Kern des Problems liegt in der Erweiterung des Exportsektors, die an die Revitalisierung vorallem im Maschinenbau und in der Einbindung kleinerer Unternehmen in den Export, gebunden ist. Es muß gesagt werden, daß das Revitalisierungs-Gesetz in seiner jetzigen Form den Revitalisierungs-Prozess eher bremst und in Ferne rücken lässt.

Eine notwendige Bedingung für das Wachstums der Export-Leistungsfähigkeit ist der Ausbau von Kapitalverbindungen mit ausländischen Firmen. Auch in der Slowakei hat sich der bedeutende Einfluß von strategischen Auslandsinvestoren auf die Exportleistung erwiesen. Die grundsätzliche Änderung der Exportleistungsfähigkeit ist auf den Investitionsprozess gebunden. Grundsätzlich kann gesagt werden, die Investitionsrate muß notwendig gesenkt und gleichzeitig ihre Effektivität und Deckung durch heimische Ersparnisse und ausländische Langzeit-Investitionen erhöht werden.

Für die Wirtschaft der Slowakei ist in der Umwandlungs-Phase eine hohe Investitionsrate charakteristisch. Beim Anteil der Schaffung des Brutto-Kapitals am BIP erreicht sie für das Jahre 1996 ein Niveau um 37 Prozent , und einen Anteil an der Schaffung des Brutto-Fixkapitals mit 36 bis 38 Prozent (beides in laufenden Preisen). So hohe Investitionsrate ist auch im internationalen Vergleich nicht üblich. Gegenwärtig kann man damit nur die Intensität der Investitionen in Japan (Investitionsrate im Jahre 1995 28,5 Prozent) und Südkorea (36,6 Prozent) vergleichen.

Bei der Schaffung heimischer Sparanlagen spielt eine Schlüßelrolle die Unterstützung der Schaffung der Sparanlagen der Bevölkerung, die Senkung des Defizits der öffentlichen Finanzwirtschaft des Staats und die Verringerung des Ausmaßes der Umverteilungsprozesse.

Die Unterstützung der Sparanlagen der Bevölkerung setzt einen stabilen makroökonomischen Rahmen ( der das Vertrauen der Bevölkerung in die reale Verwertung der langzeit Sparanlagen), sowie einen vertrauenswürdigen Finanzmarkt, der genügend attraktive Anlageprodukte anbietet, voraus. Die gegenwärtige Lage auf dem Finanzmarkt ist in dieser Hinsicht kontraproduktiv, und unterstützt eher den Hang zum Verbrauch als den Hang zum Sparen.

Der Raum für die Änderung bei der Entwicklung des öffentlichen Budgets ist mittelfristig nur sehr beschänkt, das ist ein Folge der Gestalt der budgetären Politik der letzten Jahre. Trotzdem ist eine grundsätzliche Änderung der Auffassung der Rolle des Staates in der Wirtschaft und der Programm- und Konzept-Arbeit des Zentrums, sowie die neuerliche Beurteilung der Lage (und der Ausrichtung) der Transformierung des öfffentlichen Sektors notwendig.

Aus der Sicht der Finanzressourcen für Investitionen spielt eine bedeutende Rolle die Funktion des Geldmarktes. Das Kreditvolumen für die Schaffung einer Einheit des BIP-s in der slowakischen Wirtschaft ist, neben der geringen Gewinnschöpfung der Unternehmen und unzureichende Funktion des Kapitalmarktes, vorallem durch die Struktur der Kredite gegeben.Der größte Nachteil dieser Struktur ist die hohe Bindung der gewährten Kredite an dubiöse Außenstände. Diese dauernde hohe Gebundenheit ist durch das Niveau der Funktion des Banksektors gegeben. Die Beschleunigung der Restrukturierung der Banken-Portfolien, gemeinsam mit dem Ausschluß der Einflußnahme von politischen Strukturen und der Kreditnehmer, mit gleichzeitiger Stärkung des Kapitalstocks der Banken ist eine Schlüßelvoraussetzung für die weitere mikroökonomische Transformierung.

Die Folge der Aufhaltung der Transformierung nicht nur der Banken, sondern des gesamten Finanzsektors ist eine Deformation der Quellen-Allokation, die Schaffung des Raumes für Eingriffe des Staates in diesen Bereich und somit die Erhöhung der Gesamtkosten für die Erlangung finanzieller Mittel duch die Unternehmen. Die Bedeutung dieser Deformationen tritt umso mehr in den Vordergrund, da in der Slowakei der Kapitalmarkt nicht als Instrument für Marktbewertung der Aktiva funktioniert, dadurch entsteht keine klare Information für die Investitions-Allokation.

Ergänzend muß gesagt werden, daß aus der Sicht der Ressourcen-Freimachung für Investitionen, neben einer konsequenten Koordinierung der Währungs- und Budget-Politik, ex ante die Erhöhung der Zahlungsdisziplin nötig ist. Dabei muß eine bedeutende Rolle der Prozess der Bankrotte und Ausgleiche spielen.

In das Jahr 1998 tritt die Wirtschaft der Slowakei mit gemilderten unausgewogenen Tendenzen. Das Währungsprogramm der Nationalbank der Slowakei rechnet mit einer teilweisen Lockerung der Währungspolitik, andererseits will das Staatsbudget mehr Geld auf dem Geldmarkt den Unternehmen überlassen. Trotzdem wird sich die Restriktion der Inlands-Nachfrage aus dem Jahre 1997 im Rückgang des Wirtschaftswachstums widerspiegeln. Dieses wird sich, gemessen an der Dynamik des BIP-es in festen Preisen, im Interval von 4,7 - 5,8 Prozent bewegen. Dieses Wachstum setzt einen Rückgang bei der Dynamik der Verbrauchsausgaben der Staatsverwaltung (0,7 bis 3,0 Prozent) voraus und schafft Raum für das Wachstum des Endverbrauches der Haushälte im Ausmaß von 2,9 bis 4,0 Prozent, als auch für die Schaffung des Brutto-Kapitals (3,9 bis 6,7 Prozent). Dieses Wachstum schafft Voraussetzungen für die Bildung einer Struktur der Wirtschaft, die ihre Effektivität, ausgedrückt in der Aufwendigkeit der Brutto-Produktion für den Zwischenverbrauch, nicht verschlechtern wird. Die Möglichkeit einer Erhöhung dieser Effektivität hängt von der inneren Struktur der Industrie ab.

Man kann real damit rechnen, daß die erwartete Entwicklung auf den einzelnen Märkten im Jahre 1998 zu unterschiedlichen Spannungen, sowohl im Bereich der Verbraucherpreise, als auch bei den Herstellerpreisen, führen wird. Im Bereich der Industrie, des entscheidenden Teiles der Material-Produktion, werden sich die angeführten Spannungen in der Fortsetzung des Wachstums des Gesamt-Indexes der Preise für Industrie-Erzeugnisse unter dem Niveau der Inflationsrate niederschlagen. Im Jahre 1998 kann man damit rechnen, daß der Gesamtindex der Preise für Industrie-Erzeugnisse sich im Interval von 4,9 bis 6,1 Prozent bewegen wird, wobei die Inflationsrate ein Niveau von 6,1 bis 7,2 Prozent erreicht.

Als Folge der verbesserten Konjunktur bei unseren größten Handelspartnern ist eine mäßige Verbesserung der Export-Leistungsfähigkeit zu erwarten, was gemeinsam mit der vorausgesetzten Entwicklung der Einfuhr-Aufwendigkeit bewirkt, daß das Defizit des Saldos der Zahlungsbilanz nicht das Niveau von 1997 übertreffen wird.

Das geringere Wirtschaftswachstum, gemeinsam mit der höheren Inflationsrate und den administrativen Maßnahmen engt den Spielraum für das Wachstum der Durchschnittslöhne in der Wirtschaft ein, seine Dynamik wird sich zwischen 4,3 und 4,6 Prozent bewegen. Vorauszusetzen ist eine solche Entwicklung der Arbeitsproduktivität, daß die Unterscheidung der Entwicklung der Durchschnittslöhne und der Arbeitsproduktivität aus der makroökonomischen Sicht ihre Bedeutung verliert. Trotzdem ist für den Arbeitgeber ein real ausgedrückter Anstieg der Kosten im Zusammenhang mit dem Durchschnittslohn um 7,0 bis 7,3 Prozent zu erwarten.

Aus der Sicht der Unternehmen kann man feststellen, das sie sich im Jahre 1998 weiterhin in einem makroökonomischen Raum bewegen werden, wo die Gesamtentwicklung auf dem Waren- und Dienstleistungs-Markt im Zeichen des Wachstums des Angebots und der Nachfrage weiterlaufen wird. Dieses Wachstum wird differenziert und niedriger als im Vorjahr sein. Im Allgemeinen wird die Dynamik im Bereich, der durch die Auslandsnachfrage bestimmt wird, höher sein als im Bereich, der durch die Inlandsnachfrage determiniert wird.

Bei der Befriedigung der Aggregat-Nachfrage auf Ebene der Grundbereiche ist es real zu erwarten, daß sich im Jahre 1998 das Volumen des geschaffenen BIP-s (in laufenden Preisen) wie folgt bewegen wird:

Man kann damit kalkulieren, daß der Zugang zu Krone-Krediten leichter wird, hingegen Kredite in Fremdwährungen schwerer erreichbar werden. Das Ausmaß dieser Erleichterung ist durch einen bestimmten Rückgang im Bereich der Kredit-Zinssätze gegeben, der als Folge der geringeren Spannungen auf dem Geldmarkt und durch die Umsetzung des Währungsprogramms der Nationalbank der Slowakei zu erwarten ist.

Wir können feststellen, daß zu den bedeutendsten makroökonomischen Änderungen in der unternehmerischen Sphäre im Zusammenhang mit der budgäteren Politik im Jahre 1998 das Absinken des Anteiles des Einkommens der Unternehmen der durch die Einnahme-Steuern für juristische Personen abgeschöpft wurde, zählen wird. Auch im Jahre 1998 muß weiterhin mit dem hohen Niveau der finanziellen Belastung der unternehmerischen Sphäre gerechnet werden. Mit Hinblick auf die zu erwartende Preisentwicklung muß damit gerechnet werden, daß die Auswirkung der hohen finanziellen Belastung multipliziert wird durch die immer mehr spürbaren Folgen der Nichtberücksichtigung des Preiswachstums in den Parametern des Steuersystems und durch die zu geringe Erhöhung der Zahlungen des Staatsbeitrages in die Kranken- und Sozial-Versicherungensysteme. Aus der Sicht der Bedingungen für das Wirken der slowakischen Produzenten auf dem Inlandsmarkt wird der Einfuhrzuschlag auch im Jahr 1998 einen bestimmten Vorteil bringen. Dieser wird jedoch geringer als im Vorjahr sein, deshalb müßen Unternehmen mit einem erhöhtem Druck auf die Konkurrenzfähigkeit rechnen.

Abschliessend kann man feststellen, daß es im Jahre 1998 zur Milderung der unausgewogenen Tendenzen in der slowakischen Wirtschaft kommen wird. Diese Milderung ist nicht Ergebniss des Fortschrittes bei der Struktur- und Institutions-Reform der slowakischen Wirtschaft, sondern eine Folge der besseren Anpassung des Wirtschaftswachstums an die Mängel bei der Struktur- und Institutions-Reform. Diese Mängel sind es, die beträchtlich das Wirschaftswachstum limitieren. Ohne ihre rasche Beseitigung kann man in der Zukunft kein hohes und zugleich wirtschatliches Wachstum erwarten.

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