Die Handelsverflechtungen werden weiter zunehmen

Zwischen Bayeren und der Slowakei bestehen seit langem intensive Kontakte. Auf Regierungsebene wurde 1991 eine bayerisch-slowakische Arbeitskommission ins Leben gerufen. Sie verfolgt bilaterale Vorhaben aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens. Im derzeitigen Programm sind über 70 Projekte vorgesehen. Aus dem Bereich der Wirtschaft sind beispielsweise zu nennen Dürchführung von Wirtschaftsseminaren und Unternehmertreffen, Aus- und Weiterbildung von slowakischen Führungskräften durch das Ost-West-Management Zentrum (OWZ), Informationsaustausch in Fragen des Wettbewerbsrechts, Zusammenarbeit bei technischer Standardisierung und Qualitätssicherung. Zu dieses Thema haben wir ein Interview mit dem Bayerischen Staatsministers für Wirtschaft, Verkehr und Technologie, Dr. Otto Wiesheu vorbereitet.

Herr Minister, welche Bedeutung hat die Slowakei für Bayern als Wirtschaftspartner?

Die Errichtung eines slowakischen Honorarkonsulats in Nürnberg neben dem Generalkonsulat in München ist für Bayern eine Ehre. Die Slowakei unterstreicht damit, daß sie an einer Intensivierung des Verhältnisses zwischen den beiden Ländern interessiert ist. Zwischen Bayern und der Slowakei findet ein reger Warenaustausch statt: Seit der ersten Erhebung im Jahre 1993 bis zum Jahre 1996 sind die slowakischen Einfuhren nach Bayern um über 72 Prozent auf gut 800 Millionen Mark angewachsen. Von Januar bis Oktober 1997 stiegen die Importe gegenüber dem Vorjahrszeitraum nochmals um 6,6 Prozent.

Bei den bayerischen Exporten in die Slowakei bietet sich ein ähnliches Bild: 1993 wurden Waren im Wert von 274 Millionen Mark ausgeführt; 1996 war der Wert bereits auf 611 Millionen Mark gestiegen. Dies bedeutet eine Steigerung von über 122 Prozent. In den ersten 10 Monaten des vergangenen Jahres beliefen sich die Exporte bereits auf gut 620 Millionen Mark. Zu dieser Erfolgsbilanz haben nicht zuletzt die positive Entwicklung der slowakischen Volkswirtschaft und die stabile slowakische Krone beigetragen. Haupteinfuhrprodukte Bayerns aus der Slowakei sind Bekleidung, elektrotechnische Erzeugnisse und Maschinen. Hauptausfuhrprodukte Bayerns in die Slowakei sind entsprechend den wichtigsten Industriezweigen elektrotechnische Erzeugnisse, Maschinen und Kraftfahrzeuge.

Wie stark ist die Kapitalverflechtung zwischen Bayern und der Slowakei?

Die Slowakische Republik ist ein Land im Umbruch. Bayern betrachtet die wirtschaftliche Entwicklung der Slowakei mit Respekt. Bayern hat seit 1993 über 110 Millionen Mark in der Slowakei investiert und steuert damit einen Hauptteil an den deutschen Direktinvestitionen bei.

Besonders der bayerische Mittelstand nutzt die Chancen, die sich aus der Öffnung der Märkte Mittel- und Osteuropas ergeben. Die Slowakei bietet als schnell wachsender Markt gute Absatzchancen für bayerische Produkte und kann als wichtiger Brückenkopf in Osteuropa dienen.

Im Jahre 1996 haben wir zusammen mit der Slowakei ein Investitionsseminar in Bratislava durchgeführt, an dem sich 35 slowakische und 20 bayerische Unternehmen beteiligt haben. Die Mehrzahl der bayerischen Unternehmen äußerten sich zufrieden über ihr Engagement in der Slowakei. Bei den Beteiligungsbedingungen für ausländische Investoren besteht aber noch Verbesserungsbedarf hinsichtlich des Zugangs zu slowakischen Mehrheitsbeteiligungen, der früheren Information über geplante Privatisierungsvorhaben und hinsichtlich der rechtlichen und administrativen Rahmenbedingungen für Auslandsinvestoren.

Wie beurteilen Sie die Zukunft der bayerisch-slowakischen Beziehungen?

Die MOE-Staaten sind für Bayern von immer größerer wirtschaftlicher Bedeutung. Heute liegen sie bereits auf Platz 2 der bayerischen Handelspartner. Die Exporte in die MOE-Staaten betrugen 1996 rund 11 Mrd. DM, bzw. 9,5 Prozent der bayerischen Gesamtausfuhr. Wenn man diese Zahl mit dem Handelsvolumen von 3 Mrd.DM vor der Ostöffnung vergleicht, kann man sehen, welche Dynamik die Entwicklung genommen hat. Ich bin überzeugt, daß die Handelsverflechtungen weiter zunehmen werden. Davon werden auch die Wirtschaftbeziehungen mit der Slowakei profitieren.

Vorbereitet von Bohuš Zvrškovec

Slovak Trade FORUM