Der Schlüssel zur Welt heißt Rhein-Main-Donau

Nach der Eröffnung der transeuropäischen Flußverbindung Rhein-Main-Donau wurde der Warenverkehr auf der Donau intensiviert. Beinahe in der Mitte befindet sich der Hafen von Bratislava, eine der fünf Divisionen der Aktiengesellschaft Slowakische Schiffahrt und Häfen. Über diese Schiffahrtsgesellschaft im Kontext der slowakisch-deutschen Beziehungen sowie über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Frachtverkehrs auf dieser 3600 Kilometer langen Wasserstrasse sprach mit SLOVAK TRADE FORUM der Vorstandsvorsitzende und Generaldirektor des Unternehmens Dipl.-Ing. Peter Poláèek.

Wir sind der einzige slowakische Wasserfrächter, der über eine komplexe Ausstattung in seiner Struktur verfügt: für Fluß- und Seeverkehr, für Personen-Schiffsverkehr sowie über zwei Häfen - in Bratislava und Komárno. Die genannten fünf Subjekte stellen im Rahmen der Aktiengesellschaft fünf Divisionen dar. Dazu kommen noch vier Tochtergesellschaften: Dunajplavba-Sped GmbH, Dunajská lodenica AG, Interlichter und WienCont-ReMain, die weitere bedeutende Aktivitäten entwickeln.

Die Donau - der zweitlängste Fluß Europas verbindet nach der Eröffnung des Rhein-Main-Donau-Kanals den Norden des Kontinents mit dem Süden und den Westen mit dem Osten. Wie wird die günstige Lage von Bratislava genutzt?

Der Kanal stellt einen bedeutenden Schlüßel in allen Richtungen dar. Für uns wurden dadurch direkte Kontakte mit dem weltgrößten Hafen im niederländischen Rotterdam und praktisch mit allen Häfen Deutschlands, der Niederlande und Belgiens möglich. Uns stehen Verbindungen zu jedem Ort auf dem Erdball zur Verfügung. Positiv ist ebenfalls, daß wir uns in der Mitte der europäischen Verbindung zwischen der Nordsee und dem Schwarzen Meer befinden. Dank der hervorragenden Straßen- unf Bahnverbindung bieten wir zahlreichen ausländischen Frächtern billige Frachtwege in die Tschechische Republik, nach Österreich und Ungarn.

Aus der Grafik geht hervor, daß die Ware die in Bratislava verladen wird überwiegend aus Deutschland stammt oder dorthin geht.

Ja, im Vorjahr und während der ersten Monate des laufenden Jahres lag Deutschland bei der Verladung flüssiger und fester Stoffe auf dem 3.Platz. In Bezug auf Deutschland dominierte in letzter Zeit die Verladung von Personenkraftwagen der Marke VW. Bis Mai wurden 35 Tausend verladen. Derzeit wurden diese Aktivitäten eingestellt, es änderte sich die Logistik der Verfrachtung, die Automobilfabrik nutzt für die Autos die Eisenbahn. Nach der angekündigten Erhöhung der Auto-Produktion in Bratislava erwarten wir auch erhöhtes Interesse an der Nutzung des Wasserweges.

Sind sie fähig im Wettkampf mit der Eisenbahn zu bestehen?

Es nicht ganz gut möglich, die Eisenbahn hat im Vergleich mit dem Wasserweg einen Zeitvorteil. Wir wollen zwei offene Donauboote auf das Ro-Ro-System umbauen, damit wird die horizontale Verladung der Personen- und Lastkraftfahrzeuge, der Anhänger, der Sattelschlepper und sonstiger Radtechnik ermöglicht. Das Ro-Ro-System ermöglicht die gleichzeitige Verfrachtung von 200 Automobilen. Wir sind überzeugt, daß es bei den Frächtern Wirkung zeigen wird, der Schiffsweg ist umweltfreundlicher, es werden weniger Autos beschädigt als beim Eisenbahnverkehr, wo herabfallende Baumäste zu Schäden führen können. Wir wollen mit der Eisenbahn nicht nur einen Konkurenzkampf führen. Wir sind an einer Zusammenarbeit, die notwendig ist, interessiert.

Auf welche Art?

Wir haben mit dem Kombi-Verkehr begonnen, diesen realisieren wir auch mittels unserer Tochtergesellschaft WienCont-ReMain. In Kontainern werden Waren auf verschiedene Art und Weise verfrachtet, mit Eisenbahnwaggons, mit Lasfahrzeugen, mit Schiffen usw. Im Kontainer-Terminal im Hafen werden Kontainer aller namhaften Firmen verladen, neben der dänischen Firma Maersk wird ein Depo der deutschen Firma CMA angelegt. Die Kontainer werden mit Zügen in Taktverkehr nach Prag gebracht, dort werden sie in zwei Richtungen getrennt, nach Rotterdam und nach Bremen. Es ist um vieles schneller als mit dem Schiff auf der Donau.

Was schneller ist, wird offensichtlich auch billiger sein ...

So ist es. Auf der Donau würde der Weg der Kontainer nach Rotterdam 12 Tage dauern. Mit der Bahn dauert der Transport 38 Stunden. Die Ankunft des Zuges kann genau mit der Ankunft des Seeschiffes abgestimmt werden, die Ware in dem Kontainer muß nicht gelagert werden, sie kommt vom Zug auf das Schiff. Die Ersparnis ist offensichtlich.

Genügt der Schiffspark Ihrer Gesellschaft zur Befriedigung der Bedürfnisse der Transportinteressenten?

Für den Schiffsverkehr auf dem Fluß haben wir eine Vielzahl von Booten, viele von ihnen liegen in Èunovo vor Anker, weil wir für sie keine Arbeit haben. In der jetzigen Lage würden wir mehr geschlossene, Tanker-, oder Ro-Ro-Schiffe brauchen. Neue Schiffe sind teuer, günstiger ist Renovierung oder Umbau. Der Umbau eines Donaubootes auf ein Tankerschiff kostet ein paar Millionen Kronen, ein neues Boot kostet das zehnfache. In Zukunft wollen wir selbstsfahrende Schiffe kaufen. Die Theorie besagt, daß falls im Bratislavaer Hafen ein Dreischichtbetrieb aufgenommen würde, sowohl Werk- als auch am Feiertags gearbeitet würde, wären wir im Stande bei guter Arbeitsaufteilung 10 Millionen Tonnen Ware jährlich zu verladen. Praktisch sind wir im Stande 5-6 Millionen Tonnen zu verladen. Heute sind es lediglich 1,5 Millionen Tonnen.

Wie zufrieden sind Sie mit der Zusammenarbeit mit den deutschen Partnern?

Wir arbeiten jetzt die Logistik für die Verfrachtung von Sattelschlepper-Anhängern aus. Es ist nicht einfach, doch wir müßen diese Aufgabe lösen. Auf den Straßen-Grenzübergängen stehen viele Sattelschlepper. Ganze Kollonen warten auf die Zollabfertigung, Frächter müßen verschiedene Bewilligungen vorlegen, der Straßenverkehr belastet die Umwelt, die Straßen werden durch die schweren Sattelschlepper beschädigt. Wir möchten in Bratislava die Ro-Ro-Fracht auf Achse laden und auf der anderen Seite irgendwo in Regensburg entladen. Dort müßen wir einen Partner finden, der es mit Sattelschleppern ans Ziel schafft. Danach wird die Ware auf das Schiff verladen und hierher gebracht. Durch politische Veränderungen wurden Einbussen verzeichnet, das führte zum Verlust in Gesamthöhe von 350 Millionen slowakischer Kronen. Im ersten Quartal 1998 waren es nur noch 13 Millionen, was von mir für ausreichenden Erfolg gehalten wird.

Vorbereitet von Andrej Tušer

SLOWAKISCHE SCHIFFFAHRT UND HÄFEN, AG

bietet Ihnen mittels ihrer Divisionen folgende Dienstleistungen an:

Pribinova 25, 815 24 BRATISLAVA, SLOWAKISCHE REPUBLIK, Tlf.+421/7/325798, Fax: 363002, Tlx: 92338, e-mail:spap@spap.sk

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