Unterstützung wird es auch weiterhin geben

Sowohl der Außenhandelsumsatz mit Deutschland, als auch deutsche Investitionen in der Slowakei verzeichnen ein ständiges Wachstum. Wie werden diese Zusammenhänge vom Bundeswirtschafsminister der BRD Günter Rexrodt empfunden, das bringt uns das Gespräch näher, das mit ihm unser Münchener Redakteur geführt hat.

Minister Rexrodt, wie würden Sie aus der Sicht der Bundesregierung die Zusammenarbeit mit der Slowakei gewichten?

Die wirtschaftliche und wirtschaftspolitische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Slowakei ist aus meiner Sicht gut. Der bilaterale handel zwischen unseren Ländern entwickelt sich sehr dynamisch. In den Monaten Januar bis Oktober 1997 wuchs der Außenhandlesumsatz um 23,3% auf 7,2 Mrd.DM und hat damit den Gesamtumsatz von 1996 bereits überstiegen. Die deutschen Einfuhren wuchsen dabei um 23% auf 3,4 Mrd. DM, die deutschen Ausfuhren ebenfalls um 23% auf 3,8 Mrd. DM. Das ist einerseits Ausdruck der gestiegenen Wettbewerbsfähigkeit slowakischer Produkte und andererseits der wachsenden Wirtschaftskraft in der Slowakischen Republik.

Die makroökonomischen Daten der Slowakischen Republik finden allgemein Anerkennung. Trotzdem von Deutschland aus zu wenig in der Slowakei investiert wird. Könnten Sie daher die Investitionen in der Slowakei mit denen der Nachbarländer Ungarn und Polen vergleichen?

Mit 25% am gesamten in der Slowakei investitreten ausländischen Kapital nimmt Deutschland den ersten Platz unter den ausländischen Investoren in der Slowakei ein. Dies zeigt, daß die deutschen Unternehmen in der Slowakei einen zukunftsträchtigen Partner sehen. Deutsche Firmen bis einschliesslich 1996 cca. 230 Mio. US Dollar in der Slowakei investiert. Im Vergleich der absoluten Zahlen zu Polen (cca. 2,6 Mrd. USD) und Ungarn (cca.3,9 Mrd.USD) investierten deutsche Unternehmen in der Slowakei weniger. In diesem Zusammenhang ist wichtig, daß ausländische Firmen, nicht nur deutsche, bei der ersten Phase der Privatisieurng in der Slowakei nur wenig Berücksichtigung fanden. Das war in Polen und Ungarn anders.

Ich bin mir aber sicher, daß bei einer weiteren positiven wirtschaftlichen Entwicklung der Slowakei die deutschen Investitionen in dieses Land steigen werden. Einer für Auslandskapital offenen Privatisierungspolitik kommt dabei entscheidende Bedeutung bei.

Deutschland unterstützt den slowakischen Reformprozeß, den deutsch-slowakischen Handel und deutsche Investitionen in der Slowakei. Nennen möchte ich die Hermesausfuhrgewährleistungen für deutsche Exporte, die Kapitalanlagegarantien für deutsche Investitionen, zinsgünstige Kredite aus dem Mittelstandsprogramm Ausland der Kreditanstalt für Wiederaufbau für deutsche Investitionen in der Slowakei und die Beratungs- und Finanzierungsleistungen der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft. Weiterhin hat die Bundesregierung bis Ende 1997 40 Mio. DM im Rahmen des Wirtschaftsberatungsprogrammes TRANSFORM zur Verfügung gestellt.

Im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten wird die Bundesregierung ihre Unterstützung fortsetzen.

Die Slowakei hat mit der Russischen Föderation viele wichtige wirtschaftliche und politische Verträge unterzeichnet. Kann hier die Slowakei für den Westen eine Art Brückenfunktion erfüllen? Sind hier synergetische Effekte zu erwarten oder betrachten Sie diese Bindung als eher hinderlich?

Deutschland begrüßt alle Bemühungen der EU-Beitrittskandidaten, gute außenpolitische und außenwirtschaftliche Beziehungen zu ihren Nachbarn zu entwickeln. Aus guten wirtschaftlichen Beziehungen mit Rußland können sich wichtige Impulse für die Entwicklung der slowakischen Wirtschaft ergeben. Die Slowakei befindet sich in der Frage der Brückenfunktion in einem Standortwettbewerb z. B. mit Polen und den baltischen Staaten. Eine schnelle Rechtsangleichung an die EU und der Ausbau der Infrastruktur in der Slowakei zur Verbesserung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit insgesamt halte ich für die dringlichsten Aufgaben.

Wie sehen Sie die Zukunft der deutsch-slowakischen Beziehungen?

Nach meiner Einschätzung werden sich die deutsch-slowakischen Beziehungen weiterhin gut entwickeln. Das Interesse der deutschen Wirtschaft am Ausbau der wirtschaftlichen Kontakte zur Slowakei ist groß. Die Wirtschaftsdaten der Slowakei und Deutschlands weisen darauf hin, das gute Voraussetzungen für diesen Ausbau vorhanden sind. Einzelne Bereiche, in denen für die bilaterale Zusammenarbeit besondere Möglichkeiten bestehen, möchte ich nicht vorheben. Diese zu finden ist in einer Marktwirtschaft Aufgabe der Unternehmen. Unbestritten ist daß der infrastrukturelle Ausbau der Slowakei hier besondere Chancen bietet. Aus der Privatisierung der zur Zeit noch staatlichen slowakischen Firmen werden sicher auch Möglichkeiten zur Vertiefung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit erwachsen.

Bohus Zvrskovec

Slovak Trade FORUM