Es wäre Zeit, die Diskriminierung zu beenden

Die Karpatendeutsche Landsmannschaft ist ein Verband aller Karpatendeutschen, die in der BRD leben. Er vertret die Interessen der vertriebenen Karpatendeutschen gegenüber den Regierungen und der Öffentlichkeit, bewahrt Kultur, Sitten und Brauchtum der Karpatendeutschen und haltet Kontakte mit der alten Heimai Slowakei. Mehr ueber diese Taetigkeiten spricht Oskar Marczy, der Vorsitzender des Verbandes.

Was bedeutet die Slowakei für die Karpatendeutsche Landsmannschaft?

Wir Karpatendeutschen haben lebhaftes Interesse, daß es der Slowakei und vorallem den Menschen in der Slowakei wirtschaftlich gut geht. Deshalb haben wir deutsche Firmen die in der Slowakei investieren unterstützt. Die politische Zusammenarbeit mit slowakischen Stellen auf allen politischen Ebenen, (kommunale Kontakte bis zur Regierung) sind für uns sehr wichtig. Die Slowakei ist für die ältere Erlebnis-Generation immer noch die "Heimat". Deshalb ist unser Verhältnis zur Slowakei positiv emotional belastet. Ich bin jedes Jahr 5 bis 9 mal in der Slowakei. Dabei führe ich Gespräche mit dem slowakischen Schulministerium, mit dem Kulturministerium, mit dem deutschen Botschafter und seinen zuständigen Mitarbeitern, mit Rektoren und Rektorinnen der deutsch-slowakischen zweisprachigen Klassen und selbstverständlich halte ich ständige Kontakte mit dem Karpatendeutschen Verein und den fünf Regionen des KdV.

Immer noch sind die diskriminierenden Beneš-Dekrete in der Slowakei gültig...

Leider hält auch die junge slowakische Republik an den Beneš-Dekreten fest. Deshalb werden die Menschen in der Slowakei immer noch mit zweierlei Maß gemessen: Solche die ihr Erigentum behalten durften und z.B Karpatendeutsche, die ihres Vermögens verlustig gingen. Es wäre Zeit, diese Diskriminierung zu beenden.

Im vergangenen Jahr, anläßlich des 25. Treffens der Karpatendeutschen in Karlsruhe haben Sie sich für gute Beziehungen zu Slowakei öffentlich ausgesprochen und haben den Bundesminister des Auswärtigen Dr. K. Kinkel zu dieser Jubiläumsveranstaltung eingeladen. Herr Minister hat sowohl Sie persönlich, als auch die Karpatendeutschen für das bisherige Engagement für die Slowakei gelobt und die Karpatendeutschen als Brücke für die Zusammenarbeit mit der Slowakei hervorgehoben. Wie bewerten Sie seine Äußerungen?

Wir Karpatendeutsche haben uns immer für gute Beziehungen zur Slowakei ausgesprochen. Der deutsche Außenminister hat das sowohl bei seinem Besuch am 1. und 2. Mai 1997 in Preßburg in meiner Anwesenheit bestätigt, als auch beim Bundestreffen 1997 in Karlsruhe ausdrücklich hervorgehoben. Die slowakische Seite hatte beim Bundestreffen sowohl den Vorsitzenden des Außenpolitischen Ausschußes des Parlaments, Herrn Slobodník, als auch den Staatssekretär im Kulturministerium Herrn Pánis entsandt. Der deutsche Außenminister freut sich über diese Zeichen der Verständigung und hat auch durchgesetzt, daß die Slowakei - obzwar nicht in der 1. Reihe der Beitrittsländer in Ostmitteleuropa - von den Verhandlungen nicht generell ausgeschlossen wird.

Die Slowakei zählte zu den ersten Kandidaten für einen Beitritt in die NATO und EU. Warum hat sich das geändert?

Es ist für uns Karpatendeutsche schmerzhaft, daß die Slowakei nicht mehr in der 1. Reihe der Kandidaten für die EU und NATO steht. Schuld daran ist die Politik der gegenwärtigen Regierung bzw. des Regierungschefs. Hier bestehen demokratische Defizite. Der Ministerpräsident stellt sich "diktatorisch" dar und die Konfrontation zwischen dem Ministerpräsidenten Meèiar und dem bisherigen Staatspräsidenten Kováè haben dem Ansehen der Slowakei im Ausland sehr geschadet.

Die makroökonomischen Daten der Slowakischen Republik sind beachtlich und finden allgemein Anerkennung, die Währung ist stabil, trotzdem hat man in der Slowakei das Gefühl, daß in Deutschland die Slowakei wenig Beachtung findet, im Vergleich z. B. mit Ungarn oder Polen...

Die guten ökonomischen Daten werden leider von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Die Medien in Deutschland bringen die Slowakei eher in Negativschlagzeilen wieder. Außerdem votieren die Regierungen in Ungarn und Polen politisch viel geschickter. Auch hat Ungarn das ehemalige Plus, die Grenzen für die Ostdeutschen Flüchtlinge geöffnet zu haben. Die deutsche Öfffentlickeit fühlt sich daher den Ungarn verpflichtet. Die Slowakische Regierung könnte mit einem Schlag eine positive Aufmerksamkeit erreichen, wenn sie die Beneš-Dekrete aufheben und eine Art Wiedergutmachung gegenüber den dort lebenden Deutschen leisten würde.

Nach dem Fall des "Eisernen Vorhanges" hat sich die Bundesrepublik Deutschland in hervorragender Weise in den ehemaligen kommunistischen Ländern engagiert und auch vielfältig geholfen: finanziell, durch Sachverstand usw. Warum haben viele in der Slowakei das Gefühl "im Regen alleine zu stehen"?

Ich kann nur wiederholen, daß das Engagement der BRD in den ehemaligen kommunistischen Ländern politisch und historisch mit Emotionen und den Gefühlen der Wiedergutmachung beladen und auch belastet ist. Denken wir an die Besetzung des Protektorates Böhmen und Mähren, an den Beginn des 2. Weltkrieges mit dem Einfall in Polen. Solche Probleme gab und gibt es nicht zwischen Deutschland und der Slowakei. Deshalb kann durchaus ein Gefühl bei den Menschen in der Slowakei entstanden sein: Wir werden vergessen und alleine gelassen. Ich habe mich in mehreren Schreiben an den Bundespräsidenten Roman Herzog, an den Bundeskanzler Kohl und an den Außenminister Genscher und Dr. Kinkel für die Slowakei und ihre Aufnahmen in die EU eingesetzt. Mein Einsatz hat vorallem beim Außenminister Dr. Klaus Kinkel ein positives Echo gefunden. Ich war deshalb am 1.- 2. Mai 1997 in der offiziellen Delegation beim Staatsbesuch in Preßburg und konnte bei Gesprächen und Empfängen teilnehmen.

Im Oktober habe ich einen Besuch des Landtagspräsidenten von Baden-Württemberg Peter Straub und der beiden Vizepräsidenten in der Slowakei vorbereitet, das Kulturprogramm ausgearbeitet und die Parlamentsdelagation begleitet.

Herr Ministerpräsident Meèiar hat versprochen, daß er eine Delegation der Karpatendeutschen empfängt und sich Zeit nimmt über ihre Anliegen zu sprechen. Ein Gespräch hat aber bis heute nicht stattgefunden. Auch dies wäre ein interessantes Zeichen gewesen - mit Wirkung auf die Politik in Deutschland.

Vorbereitet von Bohuš Zvrškovec.

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