D-Mark für Kleinunternehmer

Weckt die Unterstützung aus Bonn die slowakischen Banken auf?

Seit dem Jahre 1992 wenn in der Slowakei die ersten 131 Tausend D-Mark für 13 Kleinunternehmer und Handwerker deutscher Nationalität eingetroffen waren, ist die finanzielle Unterstützung der deutschen Regierung fast um das zwanzigfache gewachsen. Das deutsche Bundes-Innenministerium gewährte der Karpaten Deutschen Assoziation (KNS) bereits rund 2 Mill. D-Mark für die Finanziereung von 136 bewilligten Projekten im Rahmen der Klein- und Mittelunternehmen.

Bis 1945 repräsentierten Karpaten Deutsche eine bedeutende 150 Tausend Menschen zählende Minderheit von Landwirten, Handwerkern, Bergarbeitern und Geschäftsleuten. Heute handelt es sich um ein Skansen (ein Reservat) der dezimierten Enklave, die absichtlich durch die zwangsweise Abschiebung nach dem Krieg, durch die Vertreibung nach Deutschland, den USA und Kanada likvidiert wurde.

Im Falle der Karpaten Deutschen, zu denen sich 5629 Bürger melden, entschloß sich die deutsche Regierung das Kleinunternehmen zu unterstützen. Mit Hilfe des deutschen Innenministeriums, das die ganze Hilfe organisiert und leitet, wurden Kontakte mit der Karpaten Deutsche Assoziation (KNS) mit Sitz in Košice (Kaschau) aufgenommen. Gleichzeitig wurde die Stuttgarter Gesellschaft für wirtschaftliche Zusammenarbeit (GWZ) mit der Auswertung der vorgelegten Projekte der Kleinunternehmer und Handwerker betraut.

"Vor der Empfehlung für die einzelnen Anträge wurde gründlich nachgeforscht, ob die Antragsteller die Produktions- und Handels-Voraussetzungen erfüllen. Das wurde von den Experten der Handwerkskammer Baden-Würtemmberg gemacht, die gleichzeitig die Fähigkeit des Unternehmers Absatz für seine Produkte zu sichern analysierten, sowie die richtige Verwendung der Dotation überwachten. Falls ein Unternehmer die Kriterien nicht erfüllte, mußte er die Hoffnung nicht aufgeben. Die GWZ bietet seine Beratung und nach der Überarbeitung des Projektes kann sie es in die Liste der erfolgreichen Antragsteller für das kommende Jahr einreihen," sagt Vilhelm Gedeon, Assoziationsdirektor.

Das System der Hilfe basiert auf der Gewährung eines zinsfreien Darlehens. Der erfolgreiche Antragsteller unterschreibt einen Vertrag mit der KNS und der GWZ, wo er sich verpflichtet, daß er innerhalb von 4 Jahren die geliehene Summe zurückgibt. Mit der Rückzahlung des Darlehens wird nach einem Jahr begonnen, das Geld kommt in den Fond der KNS zurück. So akkumulierte Mittel können wieder für Finanzierung weiterer Projekte verwendet werden. Antragsteller, von denen rund 40% Bürger slowakischer Nationalität sind, bekommen kein Geld, sondern es werden Fakturen für die Bezahlung der benötigten Maschinen und Technologien bezahlt.

"Mit dieser wirksamen Hilfe, die der Artikel 20 des tschecho-slowakisch-deutschen Vertrages über gute Nachbarschaft, Freundschaft und Zusammenarbeit möglich macht, will Deutschland die Wirtschaftsstruktur in den Regionen wo unsere Minderheit lebt, verbessern. Es handelt sich um ehemalige deutsche Ortschaften und Städte in der Zips, am Fluß Bodva und Hnilec (Göllnitz), in der Mittelslowakei, in der Umgebung von Bratislava (Pressburg) und Košice (Kaschau)," behauptet Vilhelm Gedeon.

Obwohl die Assoziation um regionale Ausgewogenheit bemüht ist , der großteil der Projekte kommt aus der Zips, wo sich die meisten Bewohner (65%) zur deutschen Minderheit melden. Sie sind n komplizierten Bedingungen unternehmerisch tätig, da diese Region durch hohe Arbeitslosigkeit, eine veraltete Infrastruktur, die Bergbau-Reduzierung, die Konversion der Rüstungsindustrie und durch die Abwanderung der jungen Generation um Arbeit in größeren Städte zu finden, leidet.

Durch diese Realität ist besonders das "Hungertal" im Stromgebiet des Flußes Hnilec (Göllnitz) in der unteren Zips betroffen. Hiesige Karpaten Deutsche bezeichnen sich als die letzten Mohykaner der einstigen deutschen Handwerke und Kulturen in der Slowakei. Vielleicht ein Grund dafür, daß die deutsche Regierung entschieden hat, in dieses Tal soll die größte Finanzhilfe kommen.

Für Tischler und Baumeister aus Smolník (Schmöllnitz) und Smolnícka Huta (Schmöllnitzhütte) wurden Hobelmaschinen und Kreissägen gekauft, für einen Unternehmer aus Mníšek nad Hnilcom (Einsiedel) ein Spezialofen für Pizzabacken aus Italien, für eine Autoreparatur-Werkstatt in Švedlár (Schwedler) wurden Geräte für die Reifengeometrie, und -Montage, sowie ein Meßgerät für Abgaskontrolle gekauft. Für Schmiede-Handwerker und Klempner in Medzev (Metzenseifen) gab es Stahlsägen und Schleifaggregate.

"Ohne das Darlehen könnten wir nur schwer unsere Eierfarm in Gang bringen. Ursprünglich wollten wir einen Kredit in einer slowakischen Bank nehmen, doch auf Grund der Zinsbedingungen war das nicht möglich. In unserem Land finden sie solche Hilfe nirgendwo," sagt Rudolf Pöhm, Miteigentumer der Geflügel-Farm Pöhm & Göbl in Medzev (Metzenseifen).

Im Jahre 1996 kaufte ihnen die Assoziation die technologische Anlage für die Zucht von 5000 französischen Legehennen Sabrown, die monatlich 120 Tausend Eier legen. Auf Grund der hohen Eier-Nachfrage haben die Farm-Eigetümer um ein neues Darlehen angesucht. Die unlängst bewilligten 72 Tausend D-Mark sind für den Einkauf der moderner Technologie für die Vergrößerung der Zucht und der Produktion um 200 Prozent ermöglicht und unterstützt auch die Absatzmöglichkeiten in Moldava nad Bodvou (Moldau), Štós (Stoß) , Jasov (Jossau) und im gesamten "Hungertal".

Für die Unterstützung lobt Bonn auch die Firma Jochman aus Spišská Nová Ves (Zipser Neudorf) die Komponenten für Filtrationsanlagen für die deutsche Firma Nietzsch Filtrationstechnik herstellt.

"Ich hatte keine Immobilie, mit der ich für einen Kredit von einer slowakischen Bank bürgen könnte. Die Karpaten Deutsche Assoziation lieh mir 440 Tausend Kronen für den Einkauf einer Bandsäge, eines stärkeren Schweisgerätes, eines Reißbretts und eines Schiebe-Meßgeräts. Es war die Investition in der richtigen Richtung", behauptet Miloš Jochman, Direktor des Maschinenbauunternehmens Jochman GmbH.

Diese Firma exportiert den Großteil ihrer Produktion und nach dem Erfolg des letzten Jahres will sie mit der Montage und dem Verkauf ihrer Filtrationsanlagen für die Märkte in der ehemaligen Sowjetunion beginnen.

Ähnliche Erfahrungen hat die Tischlerei-Firma Bartko aus Široké nahe Prešov (Preschau), die Möbel herstellt und die Schneiderfirma Mode Marlene gemacht. Ihre 25jährige Eigentümerin aus Zborov bei Èadca in der Nordslowakei konnte mit dem Darlehen einen Betrieb für Herstellung der Damen-Oberbekleidung auch in Medzev (Metzenseifen) eröffnen.

"An einem Kredit von unseren Banken waren wir nicht interessiert. Hohe Zinsen sind zu zahlen, dazu Schmiergelder. Das Darlehen von 650 Tausend Kronen haben wir für den Einkauf neuer Maschinen, einer Lochmaschine und einer Bügelmaschine verwendet. Ohne diese Hilfe könnten wir nicht 15 neue Arbeitsplätze schaffen und mit der Ausfuhr in die Tschechische Republik beginnen", sagt Alena Kublová.

Eine Begleiterscheinung der Bonner Hilfe ist die wirksame Kontrolle. Jeder Unternehmer, dem ein Darlehen gewährt wurde, wird einmal im Jahr von einer Expertengruppe besucht, die das Projekt und die Nutzung der Mittel kontrolliert.

"Diese Experten kontrollieren, ob die gekauften Maschinen und Anlagen in Betrieb sind, ob sie nicht verkauft oder an Drittpersonen verpachtet wurden und ob monatlich das Darlehen abbezalt wird. Den Kontrollbericht schicken sie an das Innenmisterium nach Bonn, wo er ausgewertet wird. Auf Grund dieser Bewertung wird entschieden ob die Hilfe erweitert oder reduziert werden soll", ergänzend Vilhelm Gedeon dazu.

Die deutsche Regierung hat für dieses Jahr für die Slowakei weitere 250 Tausend D-Mark bestimmt. Diese Summe kann nicht die hohe Nachfrage der Kleinunternehmer nach Unterstützung stillen. Die Nachfrage ist 5 mal höher als die bewilligte jährliche Zahl der Antragsteller.

Vorbereitet von Róbert Matejoviè

Slovak Trade FORUM